GAM-5 · Grenzen schützen, Hilfe erreichen
60 Minuten. Du begründest, welche Grenze in einem erfundenen Fall verletzt wird, welche Folgen möglich sind und wie Betroffene Unterstützung erreichen können. Dein Ergebnis: eine kurze Fallentscheidung mit konkretem Hilfeweg.
Du wählst zwischen zwei erfundenen Fällen: einer unerlaubt weitergegebenen Aufnahme mit Druck im Team oder einem unerlaubt veröffentlichten Figurenbild. Es gibt keine echten Bilder oder Originalnachrichten. Du musst nichts Persönliches erzählen und deine Wahl nicht begründen.
1 · Wähle einen Fall · 15 Minuten
Öffne nur den Fall, den du bearbeiten möchtest. Beide führen zu derselben fachlichen Aufgabe.
Fall A · Aufnahme und Druck im Spielteam
F1. In einer Spielgruppe wird ein kurzer Ausschnitt aus einer Sprachaufnahme von Nuri ohne Zustimmung weitergegeben. Nuri bittet darum, den Ausschnitt zu entfernen.
F2. Ein Mitglied antwortet: „Wenn du dich beschwerst, darfst du nicht mehr mitspielen.“ Andere schicken den Ausschnitt weiter. Nuri möchte nicht weiter darüber diskutieren und weiß nicht, an wen Nuri sich wenden kann.
F3. Ein anderes Mitglied, Toni, sieht den Verlauf. Toni möchte helfen, ohne Nuri noch mehr Aufmerksamkeit aufzuzwingen.
Fall B · Figurenbild in einer öffentlichen Galerie
F1. In einer erfundenen schulischen Spielwerkstatt wird ein selbst gestaltetes Figurenbild ohne Einwilligung des Teams in eine öffentliche Galerie kopiert.
F2. Das Team verlangt die Entfernung. Inzwischen kopieren weitere Personen das Bild in andere Galerien. Das Team weiß nicht, wer bei der Entfernung helfen kann.
F3. Ein anderes Team möchte unterstützen, ohne das Bild weiterzuverbreiten. Eine persönliche Geschichte oder Gefühle musst du zu diesem Fall nicht schildern.
Markiere zuerst eine Grenze, die unabhängig davon gilt, ob andere den Beitrag interessant oder lustig finden. Erkläre danach mit der Lehrperson: Eine Grenzverletzung braucht keine Diagnose und keine bestimmte Zahl von Wiederholungen, bevor man Hilfe holen darf. Nicht die betroffene Person oder das betroffene Team ist für die unerlaubte Weitergabe verantwortlich.
Handlungswissen
Kontakt oder Chat beenden und Hilfe holen sind mögliche erste Schritte. Blockieren kann weitere direkte Nachrichten begrenzen; es entfernt nicht automatisch bereits verbreitete Inhalte. Melden informiert den Plattformanbieter; eine sofortige Entfernung ist dadurch nicht garantiert. Hilfe holen ist etwas anderes als eine Meldetaste drücken.
Für unsere erfundenen Fälle: Falls es ohne weitere Belastung möglich ist, Zeitpunkt, Nutzername und Fundstelle notieren oder mit einer vertrauenswürdigen erwachsenen Person den Verlauf sichern. Den Beitrag nicht weiterverbreiten. Bei belastenden, intimen oder möglicherweise rechtswidrigen Bildern keine eigene Sammlung anlegen: zuerst eine geeignete erwachsene Ansprechperson hinzuziehen. Beweissicherung ist keine Voraussetzung dafür, ernst genommen zu werden.
Fachliche Orientierung: JUUUPORT: Cybermobbing – Tipps und Hilfe. Der Fall und die vereinfachte Entscheidungsstruktur sind eigene Konstruktionen; kein Rechtsgutachten.
2 · Drei Handlungen unterscheiden · 15 Minuten
Ordne und begründe gemeinsam: sich entlasten – Verbreitung begrenzen – Unterstützung erreichen. Eine einzige starre Reihenfolge passt nicht für alle Situationen.
- „Die Seite oder den Chat verlassen und eine vertraute erwachsene Person ansprechen.“
- „Den Beitrag weiterleiten, damit alle sehen, was passiert ist.“
- „Den Beitrag melden; bei Bedarf den Kontakt blockieren.“
Erkläre, welche Option nicht hilft und warum. Formuliere anschließend einen kurzen Hilfesatz für deinen Fall, etwa: „Unser Beitrag wird ohne Zustimmung weitergegeben. Wir brauchen Hilfe, damit das aufhört.“ Persönliche Beispiele bleiben draußen.
Die Lehrperson zeigt jetzt den heute erreichbaren schulischen Weg: Ansprechperson, Zeitpunkt/Ort und Ersatzperson. Übertrage diese allgemeinen Kontaktangaben in deine Fachnotizen. Du musst keinen eigenen Anlass nennen.
3 · Deine Entscheidung · 20 Minuten
Du arbeitest wieder mit einer digitalen Fallseite. In den ersten 2 Minuten wählst du deine Methode aus GAM-4 oder eine passende Änderung. Plane einen Bildschirm-Endpunkt oder eine kurze bildschirmfreie Unterbrechung innerhalb dieser Arbeitsphase. Kein privates Ergebnis zeigen.
In den nächsten 12 Minuten bearbeitest du F1–F3 deines gewählten Falls. Erstelle eine Entscheidungskarte mit vier kurzen Feldern:
- Grenze und Beleg: Was wird verletzt? Welche Fallstelle zeigt das?
- Mögliche Folgen: Nenne eine mögliche Folge für Nuri beziehungsweise das betroffene Team und eine für die weitere Verbreitung. Behaupte kein sicheres Gefühl, das nicht im Text steht.
- Nächste Schritte: Wähle zwei passende Handlungen und begründe sie. Wie können Toni beziehungsweise das andere Team helfen, ohne den Beitrag weiterzugeben?
- Hilfeweg: Wen können die Betroffenen heute wo/wann ansprechen? Was geschieht, wenn diese Person gerade nicht erreichbar ist? Verwende die allgemeinen schulischen Angaben.
Weitere 4 Minuten: Prüfe selbst: Sind Meldung und persönliche Unterstützung beide bedacht? Ist dein Hilfeweg konkret? Verbessere eine Stelle.
Letzte 2 Minuten privat: Notiere eine Beobachtung zur erneut erprobten Arbeitsstrategie. „Kein Unterschied erkennbar“ ist zulässig. Auf dem Fallweg beschreibst du, welche Beobachtung Lee bei einem zweiten Versuch vergleichen müsste. Die digitale Erprobung darf nicht durch eine erfundene Erfahrung ersetzt werden.
Hilfe: Ein erreichbarer Weg
„Hilfe holen“ allein lässt offen, wie. Schreibe: „Die Betroffenen sprechen … nach … in/bei … an. Ist diese Person nicht erreichbar, wenden sie sich an …“ Die aktuelle IuM-Lehrperson kann unmittelbar angesprochen werden. Die schulische Ersatzperson wird zu Beginn genannt. Nicht mit anderen Lernenden nach echten Fällen suchen.
4 · Rückmeldung und Transfer · 10 Minuten
Vergleiche deine Karte mit der Sicherung und verbessere einen unklaren Schritt.
Neuer Kurzfall: Ein Beitrag wurde gemeldet, ist am nächsten Tag aber noch sichtbar. Die erste Ansprechperson ist nicht da. Begründe zwei nächste Schritte. Warum wäre „Dann ist nichts mehr möglich“ falsch?
Wenn du unabhängig vom Unterricht Hilfe suchst: Sprich die aktuelle Lehrperson oder eine erwachsene Person deines Vertrauens an. JUUUPORT bietet vertrauliche, kostenlose Online-Beratung bei Problemen im Internet; eine Antwort erfolgt laut Angebot innerhalb von zwei Tagen. Es ist kein Soforthilfedienst. Du musst für diese Aufgabe keine Anfrage stellen und keine Beratungsseite öffnen.
